Eine Ode an den stahlharten Irrsinn im urbanen Alltag

Es ist 08:17 Uhr. Die Sonne glitzert auf dem frisch geteerten Radweg – fünf Meter breit, eben wie ein Billardtisch, mehrfarbig markiert, mit Bordsteinabsenkung und eingebauter Ladestation für E-Bikes. Kurz: ein Radweg, wie ihn sich Verkehrsplaner nachts in die Träume kleben. Doch... Annika fährt auf der Straße. Nicht etwa, weil der Radweg gesperrt ist. Oder weil auf dem Radweg ein umgestürzter Apfelbaum brennt. Nein. Sie fährt auf der Straße, weil... sie es kann. 

Hafermilch saufene Annika

Im wehenden Wallawallakleid, das aussieht wie eine Mischung aus Batik, Boho und Bio-Wickeldecke.

Auf einem Lastenrad, das größer ist als mein erstes Auto. Vorne in der Kiste: zwei Gören – vermutlich Emil und Greta – schon mit ironischen Vornamen gesegnet, nagen sie an ihren Vollkornschnecken mit Chiasamenfüllung und tragen Helme, die aussehen wie Mini-Versionen von Raumkapseln.

Annika, Mutter aus Berufung und Mission, trägt ihre Hafermilch-Latte im Thermobecher und blickt so, als wolle sie jeden SUV mit moralischer Überlegenheit weichkochen. Ihr Gesicht: eine Mischung aus Yoga-Zufriedenheit und stillem Vorwurf, weil du gerade beim Anfahren ein bisschen Feinstaub ins Klima gepustet hast. Der Radweg rechts von ihr? Leer. Makellos. Ein asphaltiertes Denkmal für gute Absicht.

Aber Annika braucht das nicht. Sie braucht die Straße. Weil sie ein Zeichen setzen will. Für Freiheit. Für Sichtbarkeit. Für irgendwas mit Patriarchat und Verkehrswende. Und da schleicht sie nun mit exakt 14 km/h durch die Mitte der Fahrbahn –

  • du kannst nicht überholen,
  • du darfst nicht hupen (denn dann bist du der aggressive Autofaschist),
  • und die Kinder schauen dich an, als hättest du gerade einen Eisbären überfahren.

Und du? Du sitzt da. Motor an, Kaffee kalt, Puls bei 180, und denkst dir: „Fünf Meter Radweg – und du fährst trotzdem auf meiner Lebensader, Annika?!“

Der moderne Straßenverkehr ist kein Ort der Logik. Es ist ein Spielfeld für Statement-Radlerinnen mit Wallakleid und Mission.

Und wenn du dachtest, die Dackel-Rentner auf der Einfädelspur wären schon das Ende der Fahnenstange – dann warte, bis dir Annika mit dem Bio-Lastenbomber die Vorfahrt wegsäuselt.