Es ist ein sonniger Dienstagmorgen. Die Vögel zwitschern, der Kaffee dampft, du hast 10 Minuten Puffer auf dem Weg zur Arbeit – alles önnte gut sein.
Aber dann... dann kommt sie: Die Einfädelspur zur Schnellstraße. Und mit ihr das, was jeden halbwegs funktionierenden Autofahrer auf 180 bringt – die German Angst in ihrer reinsten Form. Du fährst gemütlich mit 100 km/h auf der rechten Spur, der Verkehr läuft.
Plötzlich siehst du sie im Augenwinkel: Ein betagter Opel Meriva, Farbe:
Krankenhausflurbeige, tastet sich mit exakt 31 km/h Zentimeter für Zentimeter auf die Beschleunigungsspur. Auf der Hutablage wackelt ein Dackel synchron zur Unsicherheit des Fahrers – vermutlich Rüdiger, 78, passionierter Frühstücksrundenbesucher mit Ehrenplatz beim Skatverein.
Sein Blick: Panisch. Sein rechter Fuß: wie einbetoniert.
Sein Plan: Hoffen, dass sich das Universum ihm zu Füßen legt und der Verkehr *einfach mal aufhört*.
Hinter ihm: Blondi, 18, Fahranfängerin. Führerschein letzte Woche in der Losbude gezogen oder einfach so lange mit den Wimpern geklimpert, bis der Prüfer weinend „bestanden“ geschrien hat.
Sie blinkt nervös links, schaut 12-mal über die Schulter und fährt mit 40 km/h so weit rechts, dass sie fast im Graben parkt. Ihr kleiner Fiat 500 ist mit so viel „#GirlBoss“-Aufklebern bepflastert, dass man das Kennzeichen nur noch erahnen kann.
Und da bist DU – auf der rechten Spur. Tempomat auf 100, LKW im Rückspiegel, links ein Sportwagen, der gerade versucht, die Lichtgeschwindigkeit zu knacken. Du tust, was jeder normal denkende Mensch in diesem Moment tut: Du fluchst. Du drückst auf die Bremse. Du schwitzt. Du reißt das Steuer nach links in eine Lücke, die eigentlich keine war – und fragst dich, wie es sein kann, dass ein Land, das Hochleistungsmaschinen wie den Porsche 911S hervorbringt, gleichzeitig Autofahrer produziert, die beim Einfädeln an die Schöpfungskraft Gottes glauben müssen.
Beschleunigungsspur. Das Wort sagt es doch schon.
Da soll man BESCHLEUNIGEN. Ranfahren, Geschwindigkeit anpassen, einscheren. Und nicht: „Oh nein, ich seh ein Auto auf der rechten Spur! Ich bremse lieber runter auf Schrittgeschwindigkeit und warte, bis ein Einhorn mir das Einfädeln abnimmt.“ Aber in Deutschland ist das anders. Hier wird gebremst, gezögert und gehofft, dass jemand anderes die Verantwortung übernimmt. Vielleicht ist das das eigentliche Problem – nicht das Auto, sondern der Kopf, der drin sitzt.
German Angst – nicht nur im Leben, auch auf der Straße.
Und die Moral von der Geschichte? Wenn du dich das nächste Mal auf der Beschleunigungsspur wiederfindest, dann denk dran: Das Gaspedal ist rechts. Der Dackel kann nix dafür. Und du willst keine 15 Autos und einen LKW zu einem Improvisationsballett auf der Bundesstraße zwingen. Denn irgendwann... steht jemand hinter dir. Und der hat wirklich keine Zeit. Oder Humor.
